iNNOVO Cloud erklärt, worum es bei Gaia-X wirklich geht

Was ist GAIA-X – worum geht es wirklich?

Eine praxisnahe Konzept-Betrachtung aus der Perspektive von Innovo Cloud und der German Edge Cloud, die mit an der europäischen Cloud Lösung arbeiten.

Viel wird über das neue europäische Projekt GAIA-X geschrieben. Vieles mit einer deutlichen Portion Stimmungsmache – in die eine oder andere Richtung. Als am Projekt beteiligte Unternehmen wollen wir vier Thesen zu GAIA-X beleuchten, die uns in den letzten Wochen in der Presse immer wieder begegnet sind.

Wir wollen dabei klären, was GAIA-X aus unserer Praxis-Sicht ist und was eben auch nicht, welche Ideen dem Mammut-Projekt zu Grunde lagen und warum GAIA-X tatsächlich ein wirtschaftlicher wie gedanklicher Meilenstein für die Digitalisierung von Europas Unternehmen sein kann.

Doch zunächst, was sagen die Verfasser des ersten Konzeptpapiers für das Projekt GAIA-X?

Dort heißt es „Wir verstehen das ‚Projekt GAIA-X‘ als Wiege eines offenen digitalen Ökosystems, in dem Daten sicher und vertrauensvoll verfügbar gemacht, zusammengeführt und geteilt werden können. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit weiteren europäischen Ländern für Europa, seine Staaten, seine Unternehmen und seine Bürgerinnen und Bürger die nächste Generation einer vernetzten Dateninfrastruktur zu schaffen, die den höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügt und Innovation fördert.“

Dabei wird folgendes priorisiert:
1. Europäischer Datenschutz
2. Offenheit und Transparenz
3. Authentizität und Vertrauen
4. Souveränität und Selbstbestimmtheit
5. Freier Marktzugang und europäische Wertschöpfung
6. Modularität und Interoperabilität
7. Nutzerfreundlichkeit

These 1: Multi-Cloud, Edge-Cloud, Daten-Cloud – es gibt keine einheitliche GAIA-X-Definition.

Wir von Innovo Cloud und der German Edge Cloud definieren GAIA-X als interoperable Daten-Cloud (föderales Daten-Ökosystem). Diese Definition ist eine bewusste Abkehr vom Kategoriedenken wie „Private Cloud“, „Public Cloud“ oder auch „Multi- und Hybrid-Cloud“. Denn wir sind fest davon überzeugt, dass diese Kategorien in Zukunft unbedeutend werden.
Es wird schlicht nur noch um Daten gehen, die abhängig von ihrer Art, verschiedene technische Bedürfnisse haben werden. Mal braucht es Echtzeitverarbeitung, mal extremen Schutz, mal größtmögliche Skalierbarkeit und mal den verschlüsselten Austausch.

Wirken diese technischen Bedürfnisse teilweise konträr, so haben sie aus unserer Sicht eines gemeinsam: Es geht um das Vernetzen verschiedenster Cloud-Formen, cloudnativer Technologien und der unterschiedlichen Stärken verschiedenster Cloud-Service-Provider. Auf Knopfdruck verlässlich und mit garantierter Datensouveränität nach den individuellen Unternehmensansprüchen innerhalb der Grenzen Europas. Interoperabilität also auf einem neuen Niveau: Mit europäischen Standards wie Daten verschlüsselt, bereitgestellt, vernetzt und geschützt werden.

Zusätzlich zu dem Daten-Ökosystem soll es auch ein föderales Dienste-/Anwendungen-Ökosystem geben. Das heißt, Dienste und Anwendungen verschiedener Provider kooperieren über RZ Grenzen zu föderalen Serviceketten. Dies ist die Grundlage für das Ökosystem.

These 2: GAIA-X ist ein Projekt der Bundesregierung. Eine europäische Staats-Cloud, gesteuert aus Deutschland.

Dies ist aus unserer Sicht eine falsche Wahrnehmung. Mit der German Edge Cloud und Innovo Cloud sind gleich zwei Firmen aus der Friedhelm Loh Gruppe an GAIA-X maßgeblich beteiligt, sodass wir an dieser Stelle vielleicht ein realistischeres Bild zeichnen können.

Unser CEO Sebastian Ritz schildert seine bisherigen Eindrücke so:

„GAIA-X ist ein Projekt, bei dem sich Experten von führenden Cloud-, Hard- und Software-Unternehmen mit ihren Erfahrungen und Sichtweisen ergänzen. Jedes Unternehmen hat die Freiheit selber zu entscheiden, in welcher Arbeitsgruppe und mit welchen Ressourcen es sich beteiligen möchte, um den höchsten Mehrwert für das große Ganze beitragen zu können. Die Politik ist insofern involviert, als dass sie uns Formate für den nötigen Austausch zur Verfügung stellt und auch die Durchführung entsprechend erleichtert. Dazu werden auch dedizierte Förderprogramme gehören.

In kurz: GAIA-X wird also durch das gebündelte Praxiswissen freier Wirtschaftsunternehmen vorangebracht und nicht vorrangig durch die Politik. Mit dem Ziel, die Digitalisierung von Europas Wirtschaft zu beschleunigen und ihre Umsetzung entsprechend zukunftsgerecht zu designen.“

These 3: GAIA-X ist der Gegenentwurf zu den amerikanischen Hyperscalern.

Betrachtet man diese Frage aus dem Winkel „Datensouveränität“ stimmt das. Denn diese ist aktuell unzureichend bei den amerikanischen und asiatischen Anbietern geregelt. De facto weiß ich als Kunde einer der großen Hyperscaler heute nicht, wie meine Daten behandelt werden, noch kann ich dies beeinflussen. Als Unternehmen kann ich nicht entscheiden, wer, wie, welche meiner Daten für welchen Zweck erhalten soll.

„Diese Entscheidungsfreiheit und dieses Mitbestimmungsrecht – auch Datensouveränität genannt – herzustellen, war schon immer Teil der DNA unserer Unternehmensgruppe und ist nun auch eines der erklärten Ziele von GAIA-X. Es geht darum, neue Datenwertschöpfungsketten über bestehende und neue Angebote und Dienstleister zu generieren. GAIA-X ist auch offen sein für Nicht-EU-Anbieter – GAIA-X wird allerdings die Transparenz zur Erfüllung der verschiedenen Standards der einzelnen Dienste oder Datenanbieter (z.B. Datensouveränität) herstellen“, so Sebastian Ritz.

Jedoch, GAIA-X wäre deutlich mehr als eine dringend benötigte und neue Datensouveränität. Die zugrundeliegende Idee, auch seitens Innovo Cloud und German Edge Cloud, lässt sich so zusammenfassen: Unbestritten sind Daten der „Rohstoff der Zukunft“ und der Aufbau einer tatsächlichen Datenökonomie ist unerlässlich. Neue Fragen wie „Wie werden Daten in Zukunft monetarisiert?“ brauchen neue Antworten, die nur auf einer breiten Basis formuliert werden können. Der Grund dafür sind die Daten selbst: Schon heute weiß jeder Mittelständler, dass das Sammeln der Daten nur einen Teilschritt bedeutet. Viel wichtiger ist es, die Daten entsprechend zu be- und verarbeiten, als dass sich aus ihnen neues Wissen ableiten lässt.

Noch wertvoller werden diese aufbereiteten Daten aber, wenn sie nicht nur von einem sondern von vielen gesammelt und in einen Abgleich gebracht werden könnten. Dann werden aus ihnen wirkliche Insights, deren Wert heute genauso schwer zu beziffern scheint, wie die Vergütung der einzelnen Teilschritte der Beteiligten zum fertigen Ergebnis.

Es geht also um nicht weniger als die Weiterentwicklung unseres Dienstleistungszeitalters und der bis dato etablierten Geschäftsmodelle. Dieses Wettrennen gilt es für Europa zu gewinnen, da man in Deutschland in der Vergangenheit schon zu oft das Nachsehen hatte, wie zum Beispiel in der Chipproduktion oder aktuell beim Netzausbau. Wer diese Triebfeder erkennt, versteht, warum GAIA-X kein Gegenentwurf ist, der als Alternative zu Skalierbarkeit, Pricing oder Feature-Dichte von Hyperscalern gedacht ist.

GAIA-X ist eine Ausprägung des neuen Wirtschaftszeitalters. Und deshalb ist es Verantwortung und Begeisterung zugleich, sich als Unternehmen hier Gedanken machen zu dürfen.

These 4: Große Unternehmen werden GAIA-X nicht benötigen, sondern setzen weiter auf ihre eigenen Ökosysteme.

Anders als zum Beispiel in Amerika, ist der Mittelstand in Deutschland stark und breit. Im zuvor besprochenen Konzept der Datenökonomie liegen „die Ölquellen der Zukunft“, also nicht bei einigen wenigen Großkonzernen allein, sondern vor allem bei den Mittelständlern. Am konkreten Beispiel der Automobilindustrie: bei den Top-Tier-Zuliefern.

Nur logisch, dass die Konzerne von diesen Datenquellen profitieren möchten und so stehen sie vor der Wahl: Eigenes oder interoperables Ökosystem? Einhergehend wieder einmal mit der Frage nach der Datensicherheit und -souveränität auf allen Seiten.

Bisher aber fehlen die nötigen Frameworks, um Daten punktuell und interoperabel austauschen zu können. Und das ist mit ein Grund dafür, dass Deutschlands Mittelständler bis dato nicht deutlich stärker in die Digitalisierung gegangen sind.
Mit Recht, denn wer möchte schon sagen: „Komm, ich öffne dir das Scheunentor, damit du mit meinen Daten und Erkenntnissen dein Produkt besser machen kannst. Natürlich ohne dass ich das steuere oder selbst auch etwas dafür sehe.“ Das wäre schlicht absurd und so hat ein jedes Unternehmen für sich begonnen, eine eigene Digitalisierungsstrategie zu konzipieren und zu implementieren.

Damit kommt GAIA-X ein wenig spät – diese Kritik ist sicher berechtigt – aber trotzdem noch zur rechten Zeit. GAIA-X muss es schaffen, nötige Standards zu definieren und einzuführen, die einen souveränen und sicheren Datenaustausch auf europäischer Basis möglich machen. Und dies bei gleichzeitiger Offenheit gegenüber den individuellen Unternehmensstrategien inkl. einhergehender Technologie-, Plattform- und Anbietervielfalt. Diese Notwendigkeit akzeptieren übrigens auch die Kollegen von etablierten Lösungen wie der SAP Cloud oder Siemens Mindsphere und versammeln sich am Planungstisch von GAIA-X.

GAIA-X kann dem europäischen Mittelstand also mit neuen, rechtlichen Frameworks und technischen Standards viele brennende Fragen beantworten und die Bereitschaft steigern, die nächsten Schritte unter anderem in Richtung Shopfloor-Digitalisierung zu gehen. Das würde nicht nur kleine wie große Unternehmen voranbringen, sondern die gesamte europäische Wirtschaft leistungsfähiger aufstellen.

Am Ende lässt sich aus unserer Sicht sagen.

GAIA-X ist wirklich ein hoch-spanendes und notwendiges Projekt. Innovo Cloud und German Edge Cloud sind stolz, Teil dieser besonderen digitalen Allianz aus Politik, Wirtschaft und Forschung zu sein. Denn wir sind überzeugt, dass GAIA-X Lösungen zu Tage fördern wird, welche auf die tatsächlichen Herausforderungen europäischer Unternehmen zugeschnitten sind. Und ja, es ist komplex, so dass sich nicht alle gewünschten Antworten sofort geben lassen, sondern eben erst gefunden werden müssen. Aber wie sagte schon einst der große Europäer Helmut Schmidt: „Willen braucht man. Und Zigaretten.“

Sie wollen mehr über die Chancen von GAIA-X erfahren oder wie das Cloud-Consulting von Innovo Cloud Sie bei Ihrer Cloud-Strategie unterstützen kann? Nehmen Sie gerne Kontakt zu den Experten von Innovo Cloud auf.